Was ist Hypnose eigentlich?

Was ist Hypnose

Viele stellen sich unter „Hypnose“ so etwas wie Show-Hypnose vor. Vielleicht etwa so: Ein*e Hypnotiseur*in schnippst mit dem Finger, spricht einen suggestiven Befehl wie „Schlaf!“, und hilflose Zuschauer oder Klient*innen „fallen“ in Trance. Vor Showpublikum krähen sie kurz darauf vielleicht wie Hähne oder watscheln wie Pinguine.

Diese Vorstellungen entstehen aus bekannten Hypnoseshows, aus Romanen oder Filmen/Serien. Die Showhypnose bedient sich dabei verschiedener Tricks – und Geschichten, Filme oder Serien dramatisieren.

Was ist Klinische Hypnose?

Klinische Hypnose ist nicht mit dem gleichzusetzen, was viele unter allgemeiner Hypnose oder Showhypnose verstehen. Sie ist ein therapeutisches Verfahren, das in einem klaren fachlichen Rahmen eingesetzt wird und auf Zusammenarbeit, Aufmerksamkeit und innerer Beteiligung beruht.

Klinische Hypnose nutzt gezielt fokussierte Aufmerksamkeit, innere Vorstellung und körperlich-seelische Resonanz, um unbewusste Prozesse besser zugänglich zu machen und Veränderungen zu unterstützen.

Sie ist also kein unspezifisches Verfahren, sondern Teil einer fundierten, therapeutischen Arbeit. Die Hypnotherapie wurde in Deutschland bereits 2006 wissenschaftlich anerkannt. 2024 wurde zudem die Erarbeitung einer Bereichsweiterbildung Hypnotherapie durch den Deutschen Psychotherapeutentag beschlossen.

Wie läuft Hypnose in der Therapie ab?

Als Klient*in behalten Sie grundsätzlich soviel Kontrolle, wie Sie mögen. Oder besser: Sie bestimmen jederzeit selbst, wie tief Sie sich auf die Erfahrung einlassen möchten.

Sie „verlieren“ also nicht Ihr Bewusstsein, sondern wir holen eher Gedanken, Gefühle und innere Bilder, die sonst weniger im Vordergrund stehen, mit hinzu ins Erleben. Und das kann wertvolle Erkenntnisse ermöglichen.

Das meiste „Wissen“ liegt im Unbewussten

Wir ahnen heute, wieviel unser Unbewusstes steuert – spontan, vorübergehend oder auch dauerhaft. Es ist aktiv – etwa bei bestimmten Symptomen, häufig bei Fehleistungen, oder in Träumen – aber auch in mentalen oder körperlichen Flow-Momenten, bei Assozionen oder unseren spontanen „Einfällen“, etc.

Es gibt spannende Fachbücher darüber, wieviel wir bei unseren alltäglichen Entscheidungen eigentlich unserem Bewusstsein verdanken (überraschend wenig).
Es ist ja klar: Wir haben nicht all unser Wissen und all unsere Erfahrungen im aktuellen Bewusstsein (bzw. „im Arbeitsspeicher“) parat. Ebensowenig wie (all) unsere Gefühle, Erinnerungen usw.

Hypnose über Trancen verstehen

Eine sinnvolle Definition von Hypnose können wir vornehmen, wenn wir die messbare Gehirnaktivität mit einbeziehen. Wenn wir in einer hypnotischen Trance sind, fahren bestimmte Gehirnnetzwerke (spezifische, miteinander agierende Areale) in der Aktivität runter, und andere hoch.

Ein schönes Beispiel: Entspannung

Auch in Ruhe macht unser Gehirn keine Pause – sondern arbeitet in einem anderen Modus. Ein Beispiel dafür ist das Default Mode Network (DMN). Es wird dann messbar aktiver, wenn wir nicht auf eine äußere Aufgabe konzentriert sind – etwa in entspannten Momenten, beim Tagträumen oder in tranceähnlichen Zuständen.

Default Mode Network Schema

Tippen Sie im Bild auf eine der drei Gehirnregionen vom Default Mode Network, um kurze Informationen zu den einzelnen Bereichen zu bekommen.

Klinische Hypnose Therapie Gehirnareale
Medialer präfrontaler Cortex Angular Gyrus Precuneus

Medialer präfrontaler Cortex

Hier im einfachen Modell etwas ungenau: Der mediale präfrontale Cortex liegt hin zur Stirnmitte bzw. der oberen medialen Front und ist stark mit unserem Selbstbezug verbunden:

* Er wird aktiv, wenn wir über uns selbst, unsere Motive, Gefühle, Werte oder unsere persönliche Zukunft nachdenken.

* Außerdem hilft er dabei, soziale Situationen innerlich zu deuten. also so etwas wie: Was denkt der andere gerade? Was bedeutet das für mich?

Angular Gyrus

Der Angular Gyrus hilft dabei, verschiedene Informationen zusammenzufügen — etwa Sprache, Bedeutung, Erinnerung und Vorstellung. Etwas einfacher ausgedrückt: er unterstützt das Gehirn dabei, aus einzelnen Eindrücken eine stimmige, innere Geschichte oder Bedeutung zu machen.

Precuneus

Der Precuneus ist so etwas wie ein Knotenpunkt für unsere innere Vorstellung und auch für autobiografisches Erinnern. Er spielt eine wichtige Rolle, wenn wir innere Bilder erzeugen, uns an Erlebnisse erinnern oder uns gedanklich in eine andere Perspektive versetzen.

Andere Netzwerke – andere Trancen

Wenn man hingegen im Leistungssport in einen körperlichen Flowzustand gerät, ist ein anderes Netzwerk aktiv. Und wieder ein Anderes, wenn man bei einem Arbeitsprozess „den Tunnelblick bekommt“ – und eventuell vergisst, etwas zu essen, zu Trinken oder mal eine Pause zu machen.

Über all die verschiedenen Trancezustände lässt sich Hypnose also gut (als Prozess) begreifen, da sie mit Trancen arbeitet.

Das Wichtigste

Unser Gehirn hat die Fähigkeit, sich in Trancezuständen neu auszurichten – deutlich mehr, als durch rationales Verstehen oder inhaltliches „Einsehen“.

Inwieweit Sie sich auf die Trancen einlassen, ist natürlich immer Ihre Entscheidung. Ich kann Ihnen aber gern zeigen, wie das geht, und was Sie damit für sich Gutes tun können.

Denn entscheidend ist letztlich nicht, was Sie eventuell über Hypnose gehört haben, sondern wie eine solche Trance in einem sicheren therapeutischen Rahmen tatsächlich erlebt wird.

Wenn Sie Fragen haben oder ein Erstgespräch vereinbaren möchten, nehmen Sie gern Kontakt auf.